Der unverbindliche Mann

Wir hatten hier vor einigen Tagen einen Text, der aus Sicht der Frau beleuchtete, wie es sich anfühlt, und welchen Sinn es macht, auf einen unverbindlichen Mann zu warten, der sich nicht entscheiden kann...

Dieser Text beleuchtete nur eine Seite der Geschichte, die für mich Vorrangige, da ich so viele Frauen betreue, die warten, Jahre in dieser Warteposition verbringen, ohne dass der Mann Kante zeigen, eine Entscheidung treffen oder diese gar kommunizieren würde.

Heute möchte ich gerne über den anderen Blickwinkel schreiben, die Sicht und die Position des Mannes beleuchten, denn er ist nun mal die zweite Seite der Medaille, und nur beide machen die Geschichte ganz.

Wir sollten verstehen, warum ein Mann nicht verbindlich werden kann, und welche Faktoren zu dieser Unfähigkeit führten.

Warum sind so viele Männer heute nicht mehr wirklich Mann?

Wir leben in einer Zeit der schnellen Umbrüche. Veränderungen vollziehen sich so rasant, dass wir oftmals nur schwer folgen können. So wandeln sich auch die Ansprüche an das männliche Geschlecht. Innerhalb 3 Generationen wird der Mann ständig in neue Schubladen gepresst, muss sich mit ständig neuem Bildnis des perfekten Mannes auseinander setzen.

Früher war ein Mann ein Krieger, der Ernährer, der Macher, das Oberhaupt der Familie oder des Stammes. Ein König im kleinen oder größeren Umfeld.

Er wurde verehrt aufgrund seiner Stärke, seiner Verlässlichkeit, seiner Männlichkeit.

Natürlich... er nahm sich, was er wollte und brauchte, war dabei auch hart und grob... und unterdrückte das weibliche Geschlecht.

Keine Frage, eine Befreiung der Frau musste sein.

Allerdings bin ich der Meinung, dass diese Befreiung zu weit ging.

Der Feminismus war streckenweise auf dem komplett falschen Pfad.

Es ging nicht ausschließlich darum, die Rechte anzugleichen, sondern vor allem auch um Rache. Frauen wollten den Mann erniedrigen, ihm seine Macht und seine Stärke nehmen, um zu zeigen, wie sich das anfühlt.

Dies hat auch mit Karma zu tun... alles braucht einen Ausgleich, alles schwingt zuerst einmal in die Extreme.

Die Mütter der heutigen Männer lebten am Übergang... noch in Männer-dominierten Beziehungen gefangen, jedoch schon innerlich gewahr, dass sie Rechte haben, und diese einfordern können, erzogen Sie ihre kleinen Jungen mit weiblicher Manipulation, emotionaler Erpressung und subtilen Botschaften.

Zeigten die Jungen unerwünschte Aggression, Wut, Dominanz- und Konkurrenzverhalten, reagierten sie mit Empörung, Missachtung, Liebesentzug... bis hin zu Druckmitteln wie Kopfschmerzen (sei lieb und leise, Mami hat Kopfschmerzen) oder Depression (hör auf damit, Du machst Mami ganz traurig).

So lernten die angehenden Männer, die eigenen Männlichkeit zu unterdrücken, nicht zu leben.

Ihre Männlichkeit ist nicht integriert... wie auch bei uns Frauen die Weiblichkeit oftmals nicht integriert ist.

Wie soll denn so Beziehung entstehen und funktionieren?

Zweiter Aspekt...

die Jungen lernten, wenn ich lieb und angepasst bin, und nicht sage, was ich denke oder möchte, dann bekomme ich was ich brauche... vermeidliche Liebe und Aufmerksamkeit.

Nein, mit wahrer Liebe hat dies nichts zu tun... diese Mütter liebten schon nicht frei und bedingungslos, wussten sie doch gar nicht, was es wirklich bedeutet, Frau zu sein. Wie soll eine Frau, die ihrer Weiblichkeit nicht bewusst ist, junge Männer heranziehen, die ihre Männlichkeit leben?

Gar nicht.

Und, die Jungen lernten, ich muss unverbindlich bleiben, keiner Frau weh tun, dann wird mein Ego gefüttert...

so, da haben wir ihn, den unverbindlichen Mann, der zu Dir nicht JA und nicht NEIN sagen kann...

um Dich nicht zu verletzen, um lieb und brav und angepasst zu sein, um sich das Eisen noch im Feuer zu halten, falls man es mal noch brauchen könnte... falls die eigene Frau mal genug hat, oder man sich doch mal noch zu einer Beziehung durchringen könnte.

Und auch die wartende Frau hat hier eine sehr spezielle Position... sie ist die, die Beziehung in Wahrheit scheut, die nicht in ihrer Weiblichkeit angekommen ist. Sie ist das Mädchen, das schon in jungen Jahren lernte, dass Männer nicht vertrauenswürdig sind, dass man sich nicht wahrhaft einlassen kann, ganz und gar geben kann... und sich mithilfe des Wartens einer Illusion hingibt.

Der Illusion... wenn er nur käme, dann würde ich, dann könnte ich... und sich somit von wahrhaften Beziehungen fern zu halten.

Auf diese Art weigert sich die Frau, die eigenen Schatten zu bearbeiten.

Eine Art Flucht, diese Warteposition...

und, wie soll der Mann wissen, was er will, wenn es schon die Frau nicht weiß?

Herrje... sind wir Frauen also ganz schön mitverantwortlich für diese Misere...

Der Mann wird also erwachsen... ohne gewichtiges Vaterbild, denn dieser schuftet die ganze Woche in Fabriken und Betrieben, um die Familie über Wasser zu halten, ist am Wochenende müde und ausgelaugt... kein gemeinsames Jagen, keine gemeinsame Rivalenkämpfe, keine Initiationen des jungen Mannes, keine wahrhaft männliche Kultur also...

und gerät nun an eine Frau der heutigen Zeit, die gelernt hat, sich durchzusetzen, stark zu sein, für sich selbst zu sorgen. Eine Frau die weiß was sie will, und dies ständig kundtut... wird es nicht einfacher.

Ein Mann soll plötzlich sanft sein, Verständnis und Empathie haben, ebenso die Arbeit der Frauen erledigen... nicht mehr jagen und töten... nein, vegetarisch leben im Einklang mit der Natur.

Bart tragen, ja bitte, aber auch gewaltfreie Kommunikation ausüben, Frauen verstehen und Gedanken lesen können.

Und haben wir Frauen dann solche Weicheier... sind wir auch nicht zufrieden.

Wir verlieren das Vertrauen, da wir spüren, dieser Mann ist nicht in der Lage, auf uns aufzupassen, seine Familie zu verteidigen und zu leiten.

Dieser Mann ist eben nicht die starke Schulter, an der wir uns ab und zu mal anlehnen müssen.

Diesem Mann fehlt Kante und Verbindlichkeit.

Ein Teufelskreis.

Was können wir also tun, um diese Umstände zu ändern?

Anderes erwarten.

Und vor allem, Anderes leben.

Leben wir doch unsere Weiblichkeit, sind wir stark und doch sanft, geben wir uns hin, ganz und gar, ohne Angst, ohne Beschränkung. Sind wir Freundin, Geliebte und Mutter zugleich. Weich und anschmiegsam, aber auch bissig und kratzig. Laut schreiend in unserer Wut oder unserer Lust, und auch leise und still in unserer Liebe. Öffnen wir die Herzen wahrhaft, sind ganz in unserem Sein.

So werden wir auch einen bewussten Mann anziehen, oder den Mann, den wir bereits haben, in die Veränderung begleiten dürfen...

Ein Mann darf dominant, stark und erhaben sein! Er darf Krieger, Versorger und Beschützer sein.

Und wir dürfen ihn dafür verehren und bewundern.

Ist ein Mann in seiner Mitte, wird er seine Partnerin nicht unterdrücken... nein, er wird sie verehren, wie sie ihn verehrt. Er wird sie achten und hüten, und sie genießen ganz und gar.

Meist müssen wir Frauen in inneren Entwicklungsprozessen voran gehen... wir müssen wieder ausgleichen, was Generationen vor uns aus Unwissenheit verbockt haben.

Wir dürfen uns lösen aus karmischen Verstrickungen und die Irrwege verlassen.

Werdet zur Frau, meine Lieben, dann werden die Männer wieder Männer.

Werdet zur Königin, und ihr werdet einen König an Eurer Seite haben.

Fühlt Euch geliebt,

Dani